Rückblick Praktikum Berlin (Feb-Mär 07)

Geschrieben: 26.08.2007

Das Rumkramen in den ganzen Bilderordnern (es sind immerhin fast über 600 gute Bilder zusammengekommen) hat mich doch wieder zurückversetzt in schöne Momente, in abentuerliche Ausflüge, und richtig coole Erinnerungen. Die Bilder und Texte, die hier veröffentlicht und verlinkt sind, sind mein persönliches Best Of. Nun, viele fragen, wie es mich (die doch nie nach Berlin wollte) in die Stadt verschlagen hat. Das ist an sich schnell erzählt. Im Studium habe ich nach einigem Hickhack das Anwendungsfach auf Medizin gelegt. Wo ich mich nach der 10. Klasse von Biologie und Chemie gänzlich losriss, habe ich im Studium doch eine “kleine” Leidenschaft für cyto- und histologische Grundvorgänge aufgebaut. Magdeburg ist in diesem Gebiet eher weniger stark vertreten und ich wollte herausfinden, ob genau das eventuell mein Spezialisierungsgebiet auf lange Zeit werden könnte. Was liegt da ferner als ein Praktikum zu machen? Richtig, und dieses Praktikum hat mich in die Metropole gezogen.
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Berlin. Eine Stadt, die man mit keinem und genau diesem Wort beschreiben kann. Eine Stadt, die für jeden das richtige Abenteuer bereithält. Wenn ich sage, dass mich dieses Praktikum nicht verändert hat, würde ich rotzfrech lügen, denn geändert hat sich einiges. Ich bin nach dem Praktikum in eine WG gezogen, mit der ich bis heute definitiv keinen Fehler gemacht habe. Mein Studium und die Richtungen werden immer klarer und ich gehe eisern meinen Weg (auch wenn es zum Teil sehr hoher Bürokratiekrieg ist!). Und ja, Bewegung macht glücklich (und manchmal auch süchtig). … Eben wohl alles Erfahrungen, die ihre Spuren in meinem Leben hinterlassen haben. :o )

Wo man in so einem Rückblick am besten anfängt zu erzählen, ist immer reichlich schwer. Aber ich habe den Moment, als ich den Magdeburger Boden verlassen habe, noch genau im Kopf. Ein Gefühl von absoluter Ahnungslosig- und Hilfslosigkeit. Ich kannte weder die Wohnung, noch die Mitbewohner, noch wusste ich, was im Praktikum auf mich zukommt. Ich weiß auch gar nicht, wo meine größere Angst lag: dass das Praktikum beschissen werden könnte oder die Wohnung samt Mitbewohner ‘ne Absteige ist? Nun, vor lauter Durcheinanderheit habe ich zunächst erst mal mein Konto mit all meinen Ersparnissen an diesem Tag vor der Abreise durch dreimaliges falsche PIN-Nummer eingeben gesperrt. Ich hatte 300 Euro in Bar, die ich dem Gabriel (meinem “Vermieter”) geben sollte. Die Erwartungen waren weder hoch, noch niedrig. Aber auch die Tatsache, dass ich bereits bei einem anderen Max-Planck-Institut ein Praktikum absolvierte, welches ich nach 3 Wochen wegen absoluter Sinnlosigkeit abgebrochen habe, hat mich sehr beunruhigt. Was wäre, wenn sich das wiederholt hätte?

Nun, die Tür zur Wohnung, die mein trautes Heim für die nächsten 8 Wochen werden soll(te), öffnete sich und ich muss sagen, jeder normale Mensch wäre samt Koffer und Geld nach spätestens 10 Minuten gegangen. Warum ich nicht? – Ich hatte keine andere Wahl / keine andere Bleibe und ein Youth Hostel kam aus finanziellen Gründen schon nicht in Frage. Dass mit dieser WG oder deren Mitbewohner und Miteinander irgendwas nicht in Ordnung ist, hätte auch ein Blinder mitbekommen. Nach knapp anderthalb Wochen habe ich dann erstmals einen festeren Draht zu meinen 3 Mitbewohnern gehabt und festgestellt, dass mein Vermieter ein absolutes Ar******* ist. Nicht nur, dass er mich als eine Freundin vorstellte (und nicht als Fremde, die halt dort wohnt), sondern auch der Fakt, dass er mit fast vierstelligen Beträgen in Mietschulden war. Das Zimmer war mir als teilmöbliert versprochen – wer die Bilder sieht, könnte auch meinen, ich habe in einem Zimmer in einem Besetzerhaus gepennt! Ganz so war es aber nicht! :o ) Die Aussicht war es wert!

Wie gesagt, wenn man so ein Mit- und Durcheinander mitbekommt, ist es dann schon ziemlich beschissen, aber dafür habe ich mich dann mit Kristin, Wolf und Benito ganz gut verstanden. Benito bin ich morgens oft in der Küche begegnet, als er auf dem Weg ins Bett und ich auf dem Weg zur Arbeit war. *g* Durch Wolf habe ich endlich ein bisschen Filmkultur mit auf den Weg bekommen. Nach eintrudeln zu Haus, Käffchen trinken und aufwärmen, lag ich mit auf der Couch und habe Simpsons geschaut! (Ich mochte die vorher gar nicht, jetzt um so mehr! ;o) ) Durch Kristin habe ich vlt. so ein bisschen Lockerheit in meinem Leben zurückgewonnen. Nicht immer alles so verkrampft zu sehen und neuen unbekannten Dingen gegenüber offen zu sein. Alle drei habens geschafft, dass ich auch wieder zu einem gewissen Grad bereit bin, Fremden Leuten zu vertrauen. Etwas, was manchmal bei mir unmöglich erschien. Ihr seid echt toll. Solltet ihr alle das irgendwann lesen: ich wünsche euch an dieser Stelle ganz viel Glück für die Zukunft.

Nachdem ich die erste Nacht überwunden hatte und mich morgens fühlte, als hätte ich mit 1.8 Promille in einem Karussel auf einer Kirmes übernachtet (4 spurige Hauptstraße und U-Bahnhof), saß ich wenig später bei Michael Lappe im Büro und habe mir in aller Ruhe meine Aufgabe angehört. Ich weiß nicht mehr, was ich an diesem Abend gemacht habe, aber sicher die eine oder andere Träne vergossen, denn der Wahnsinn von der Ahnungslosigkeit hat nachgelassen und ich war froh, eine so tolle Aufgabe bekommen zu haben. Ich stand bis dato mit JAVA auf Kriegsfuß, aber diese Aufgabe war Motivation genug, diesen Krieg endlich zu gewinnen. (Was ich rückblickend in einigen Fällen geschafft habe, in anderen sicher noch nicht).

Persönlich muss ich sagen, dass so ein Praktikum etwas gänzlich anderes ist, als zu studieren. Man hat einen festen Tagesablauf, sitzt den ganzen Tag am Rechner und ich hatte ungewohnterweise auch noch knapp 1.5 Stunden zur Arbeit bzw. zurück täglich auf mich zu nehmen. Sowas kann echt ermüden und es hat mich anfänglich auch extrem geplättet. Man war geistig voll am Ende, aber der Körper war noch total unausgelastet. Da ich auch in Berlin war, um die Stadt kennenzulernen, habe ich dann immer meine Kopf-frei-mach-Touren durch die Metropole geführt. Ich habe einen Haufen Ecken gesehen, wunderbare Momente in den kalten Winterwochen erlebt und bin der Stadt auf meiner ganz eigene Art näher gekommen.

Meine persönlichen Highlights, die ich besucht/gesehen/erlebt habe: Berlin Alexanderplatz (Fernsehturm, Rotes Rathaus, Weltuhr), Berliner Dom, Museumsinsel, Oranienburger Straße (Neue Synagoge, Bonbonmacherei), Gedächtniskirche, Kuhdamm, Brandenburger Tor, Siegessäule, Tiergarten, Schloss Bellevue, Gendarmenmarkt, Fassbender und Rausch (renomierter Schokoladen-Laden), Sony Center, Potsdamer Platz, Hackescher Markt, Brunnen- und Bernauerstraße (Mauerdenkmal), Bundeskanzleramt, Reichstag, die Spreeufer, … und es gab noch vieles vieles mehr.

Wir (Wolf, Kristin und ich) waren eine Nacht in einem Club, der Elektro-Rock spielte. Ich persönlich finde, eine gelungene Mischng und ein lustiger Abend. Wir haben Kristins Geburtstag in der WG gefeiert – mit echt tschechischem Absint! Der war wirklich ziemlich krass! Ich habe Besuch von Ulli bekommen und Mutti. Und natürlich gabs auch einen kleinen Klassenfahrtsausflug (mit all den Leuten aus der Uni).
Ich weiß, dass ich in einer Stadt wie Berlin nicht alt werden möchte. Zu hektisch, zu anonym und zu groß, teilweise auch zu schmutzig, zu trist und zu wenig grün – eben vermauert, versiegelt, zu steril und kaum Luft zum Atmen. Mir fehlte etwas die Ruhe, die Natur und die Möglichkeit, einfach mal den Horizont zu sehen. Aber dennoch, solange man jung ist, muss man da mal gelebt haben. Ein Grund, warum es mich wohl auch wieder zurück zieht.

Ich habe ehrlich gesagt, eine ganze Reihe von Fehlern gemacht. Einige kamen durch meine Naivität, die ich zuweilen an den Tag lege zustande, andere wiederum waren pure Ahnungslosigkeit. Und wiederum andere Fehler, sind aus einer einfachen Überbelastung heraus entstanden. Daher hier eine kleine Liste, von Dingen, die ich gelernt habe:

Speziell für Praktika, die es wieder zu organisieren gibt:

- Beim Zimmersuchen, das Zimmer vorher anschauen fahren oder Bilder schicken lassen!

- Sich über die Mitbewohner erkundigen!

- Festen Mietpreis und einige Mietbedingungen im Voraus schriftlich festhalten!

- Niemals Praktikum und Prüfungen zusammenlegen! (Lässt es sich nicht vermeiden, geht die Prüfung vor!)

- Wenn man finanzielle Angelegenheiten an Automaten regelt, gibt es IMMER zwei Dinge, die man wiederbekommt. Geld/Kontoauszug UND Karte! Ganz wichtig! *g*

Persönliche Erfahrungen:

- Nicht, weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer! [Seneca]

- Sich nicht aus der Ruhe bringen lassen!

- Sich nicht unter Druck setzen lassen!

- Mutig, aber nicht übermütig sein!

- Einfach das Leben genießen!

~ by doublesmile on October 8, 2007.

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